Ein Bauleiter in Ulm erzählte uns neulich, er hätte das Injektionskonzept nach Gefühl festgelegt. Zwei Wochen später stand die Baugrube unter Wasser, die Verpresskörper im Untergrund waren punktuell geblieben. In Ulm ist das ein klassischer Fehler. Der Untergrund hier wechselt auf kurzer Distanz: mal quartärer Kies der Donau, mal verwitterter Karst im Weißjura, mal Molassebecken mit eingelagerten Tonlinsen. Eine Injektionsbemessung ohne Vorerkundung ist hier Glücksspiel. Wir dimensionieren den Injektionsschleier so, dass er mit dem lokalen Porenraum arbeitet und nicht dagegen. Dafür kombinieren wir Laborversuche mit Erfahrung aus dem Ulmer Talkessel. Die Abstimmung von Wasser-Zement-Wert und Injektionsdruck erfolgt nach DIN EN 12715 – immer angepasst an die Durchlässigkeit, die wir aus der Korngrößenanalyse ablesen.
In Ulm entscheidet der Porendurchmesser über den Injektionserfolg – darum messen wir ihn, statt ihn zu schätzen.
Standortspezifische Faktoren
Die Donauauen in Ulm haben eine Tücke: Alte Flussschlingen, die heute als verlandete Rinnen unter der Bebauung liegen. Dort trifft ein Bohrgestänge unvermittelt auf lockere organische Ausfüllungen mit quasi keiner Tragfähigkeit. Injiziert man dort mit Standardzement, läuft die Suspension unkontrolliert ab – der Verlust kann bei über 30 Prozent liegen. Noch heikler sind die Karsthohlräume im oberen Weißjura. Ein nicht erkannter Hohlraum von zwei Kubikmetern verschluckt mehrere Tonnen Zement, ohne dass ein Porenverschluss eintritt. Wir begegnen dem mit einer gestuften Injektionsstrategie: zuerst eine Poreninjektion mit Mikrozement, dann eine Hohlraumverfüllung mit expandierenden Mörteln. Die Kontrolle erfolgt über Kernbohrungen und WD-Tests im Raster von maximal drei Metern. So schließen wir aus, dass der Ulmer Untergrund Überraschungen bereithält, wenn die Baugrube ausgehoben wird.
Gängige Fragen
Warum reicht ein Standard-Injektionsraster in Ulm nicht aus?
Weil der Untergrund hier durch den Wechsel von Donau-Schottern und Molasseverwitterung extrem heterogen ist. Ein starrer Raster verfehlt entweder die durchlässigen Schichten oder injiziert unnötig in dichten Tonlagen. Wir legen das Raster nach den Ergebnissen von Korngrößenanalysen und In-situ-Durchlässigkeitsversuchen fest.
Welche Suspension eignet sich für den Ulmer Karst?
Bei feinen Klüften arbeiten wir mit Mikrozement (d95 < 16 μm) und Silikatgel. Große Hohlräume im Weißjura erfordern eine Kombination aus Zementsuspension und einem nachträglichen Mörtel mit Quellmittel, um die Füllung kompakt und tragfähig zu machen.
Wie wird der Erfolg einer Injektionsmaßnahme nachgewiesen?
Durch WD-Tests (Wasserabpressversuche) vor und nach der Injektion. Wir messen die Durchlässigkeitsabnahme im Bohrloch und vergleichen sie mit dem Bemessungswert. Zusätzlich entnehmen wir Kernproben, um die Zementfüllung visuell und über die Druckfestigkeit zu prüfen.
Ab wann ist eine Baugrubensohle in Ulm injektionspflichtig?
Sobald eine Baugrube tiefer als 3 Meter in den grundwasserführenden Donauschotter eintaucht und eine offene Wasserhaltung nicht wirtschaftlich ist. Auch bei angrenzender Bestandsbebauung ist eine Injektionssohle oft das Mittel der Wahl, um Setzungen zu vermeiden.
Mit welchen Kosten muss man für eine Injektionsbemessung in Ulm rechnen?
Für die reine Bemessung inklusive Laborversuche und Feldversuchen liegt der Aufwand je nach Umfang zwischen €1.060 und €3.710. Die genaue Summe hängt von der Anzahl der Bohrungen, den Suspensionsvarianten und dem Prüfprogramm ab.